• Realität der Selbstverteidigung

    Anhang 22Die Realität entwaffnet Menschen, die siegessicher und unreflektiert Themen und Illusionen wie einen Schild vor sich herführen. Zwischen theoretischen Vorstellungen und der Praxis auf der Straße gibt es große Unterschiede. Diese werden genährt durch das Unwissen über die Effektivität der eigenen Fähig- und Fertigkeiten und die nie kalkulierbare emotionale Ebene. Diese kann von Panikattacken, über sich in sein Schicksal fügen bis hin zur überschwänglichen Selbstüberschätzung, bitterböse Überraschungen parat haben.
    Der folgende Fall soll dies ein bisschen näher erklären:


    "In mehreren Fernsehsendungen nach der Vergewaltigung in der Hamburger S-Bahn wird eine Berliner Judo-Kämpferin gezeigt, wie sie zwei aggressive Jugendliche zwar fachgerecht aufs Parkett legt, sich dabei aber selbst schwer verletzt und invalide wird. Das Schicksal dieser Frau versinnbildlicht Risiken und Nebenwirkungen von Selbstverteidigung als Strategie gegen Gewalt."
    [Quelle: Joachim Kersten: Selbstverteidigung gegen Gewalt. In: Psychologie heute. Jahrgang 1997/12]

    Dem komplexem Ernstfall mit seinen Gesetzmäßigkeiten und dynamischen Entwicklungsmustern, den lauernden Gefahren und erheblichen Risiken für Leib und Leben muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nur mit einem derartigen, an die Realität gebundenen Wissen wird deutlich, was Opfer durchleben und warum präventive Maßnahmen sowohl für Opfer und gefährdete Personengruppen, als auch für Täter nicht nur sinnvoll und hilfreich, sondern auch notwendig sind.